Toni Erdmann (R: Maren Ade D/A 2016) ©nfp
Toni Erdmann (R: Maren Ade D/A 2016) ©nfp

Toni Erdmann (D/A 2016)


Elliptisch, aber nicht fragmentarisch, distanziert und derart innig; all das und irgendwas mehr, binär, dialektisch, dichotomisch, was auch immer, das ist uns egal, vereint Maren Ade in TONI ERDMANN zu einem Gesamtkunstwerk. Ein heilsamer Film, weil er in einer sinnentleerten (Kino)Welt nicht an die großen Geschichten glaubt, aber dennoch etwas zu erzählen hat und sich so dem modernen Pluralismus ehrlich öffnet. Es geht um Neoliberalismus, Bürokratie und Wahnsinn, nicht jedoch um Deutung oder Hoheit, um Zeigefinger und Mahnung, stattdessen um Zwischen und Daneben. Wie die Kamera tritt der Film im Sinne Benjamins ein Schritt nach hinten, um Neues zu erleben. Ade traut ihrer Geschichte einen Sinn zu, einen unter vielen zwar, mikroskopisch, intim, aber mit einem Ernst, der all den Zynismus negiert, der heute nur noch Dummheit ist. Wo Ironie kein Instrument mehr ist, sondern Attitüde und Sarkasmus Faulheit und Unwissenheit, ist dieser ur-ernste Film ur-echt emotional; weil Maren Ade, so würde es Fassbinder sagen, die Menschen nicht hasst, so wie wir.



von Lucas Curstädt