Suburbicon (R: George Clooney USA/UK 2017) ©concorde
Suburbicon (R: George Clooney USA/UK 2017) ©concorde

Suburbicon (USA/UK 2017)

Den Coen-Brüdern, Clooney und Grant Heslov ist da etwas bemerkenswertes gelungen: In einer all-white utopia lebt die schwarze Familie Meyers mit der weißen Familie Lodger Haus an Haus, beide werden Opfer von Überfällen. Regisseur Clooney wird diese beiden Narrative nicht zusammenführen, er wird sie gar als genrespezifisch unvereinbar stilisieren. Genau das ist der Clou dieses Films. Während die Geschichte um die Lodgers sich in eine groteske Neo-Noir Story verabschiedet, haben die Meyers keine andere Wahl als dem sozialen Drama zu verhaften. Physisch beschränkt sich die Rassentrennung auf ein paar Meter Grasnarbe, doch ideologisch – und das meint eben nicht nur den soziokulturellen Kontext – sind die determinierenden Barrieren die der Genre-Gesetze. Damon darf sich als Fred MacMurray, Moore als Phyllis Dietrichson versuchen. Gemeinsam sind sie ein Paar ohne Gewissen. Die Meyers aber haben für solch leichten Eskapismus, der im Genrefilm nur den Weißen erlaubt ist, keine Gelegenheit. Denn vor ihrer Tür steht nicht Edward G. Robinson, sondern ein brüllender Rassist.

von Lucas Curstädt


Lieben! Töten! Leben! Matt Damon bezeichnet SUBURBICON als „the definition of White privilege“ und spielt damit auf die Irre inszenierten Tableaus eines Vexierspiels aus Mord und Totschlag hinter der idyllischen Suburbia-Fassade an, ganz im Zeichen eines vorherrschenden Dualismus der amerikanischen Gesellschaft. Die Bilder Suburbicons, so der eponyme Handlungsort, sind verlockend, simplifizieren das Leben, befriedigen nostalgische Werte. Mit einem Paukenschlag jedoch verliert sich das romantische Schmachten im Sturm des Ikonoklasmus. Was passiert? Ein „privilegierter“ Familienvater läuft Amok nachdem heraus- zukommen droht, dass er den Austausch der häuslichen Mutterfigur vollzogen hat? Nein, eine neue, „noch nicht privilegierte“ Familie zieht in die Nachbarschaft ein, mit Folgen! Nach einer schicksalhaften Nacht ist Suburbicon nicht mehr das, was es mal war. Deren Ende, lediglich durch den kindlichen Drang eines Elysiums forciert, wird durch versöhnendes Baseball-Werfen im Garten unter einem Stern der Hoffnung gerückt. SUBURBICON ist Flucht und Heimkehr zugleich.

 

von Vasco V. Ochoa