Spotlight (R: Tom McCarthy USA 2015) ©paramount
Spotlight (R: Tom McCarthy USA 2015) ©paramount

Spotlight (USA 2015)


Eine Journalistin fragt bei einem Hausbesuch einen alten Mann, ob dieser in seiner Zeit als Priester Kinder sexuell belästigt habe. Der Mann bejaht in einem Ton, als wäre gefragt worden, ob er jemals unerlaubt eine rote Ampel überfahren habe. Vergewaltigt wurde aber niemanden, sagt er sachlich, ruhig. Man habe halt rumgealbert. Skandalös an dieser Szene ist nicht, dass die systematische Verschleierung von Pädophilie in der katholischen Kirche endlich entschleiert wird, sondern dass diese Normalität im Umgang damit, diese alltägliche Banalisierung, nur ein so kurzes Spotlight in Tom McCarthys Film erhält. Der eigentliche Skandal ist, dass alle wissen und es dulden. Und das thematisiert SPOTLIGHT zu marginal, weil McCarthy lieber den totgeredeten Printjournalismus seine letzte, erfolgreiche Schlacht kämpfen lässt. Ein Film, irgendwo ein bisschen All The Priest’s Man und ein bisschen moralisierender 12 YEARS A SLAVE, auch einer dieser Oscarpreisträger, die aus falschen Prämissen gutgemeinte Bilder formen.



von Lucas Curstädt