Sie nannten ihn Spencer (R: Karl-Martin Pold, D 2017) ©neuevisionenfilmverleih
Sie nannten ihn Spencer (R: Karl-Martin Pold, D 2017) ©neuevisionenfilmverleih

Sie nannten ihn Spencer (D 2017)

Eine Bud Spencer nachempfundene Marionette steht exemplarisch für die Methode, mit der seine Anhängerschaft versucht ihm habhaft zu werden: Das Nachstellen von Filmszenen oder Zitieren von Dialogzeilen stellen allesamt Versuche dar, etwas vom Leinwandschatten in das alltägliche Leben hinüber zu retten. Was in diesen Akten der Reproduktion zum Vorschein kommt, ist aber immer auch eine Differenz zwischen Original und Imitation, die mit Ausschnitten aus den Filmen des Neapolitaners zugleich betont als auch geschickt kaschiert wird. Denn allein durch die Montage kann es hier zum gewünschten Austausch kommen, bei dem die Filmfiguren Spencers die Reise von Jorgo und Marcus zu ihrem Idol kommentieren. Daran ändert auch nichts, dass durch die Überreichung der Puppe an Carlo Pedersoli ein für alle Mal versucht wird, den mittlerweile verstorbenen Schauspieler mit seinem Alter Ego zu verschmelzen. Nur in seinen Filmen lassen sich die physische Präsenz und der Charme dieser Kunstfigur erleben – und bis zum nächsten Ausstrahlungsmarathon auf Kabel 1 bekommt man hier daraus reichlich zu sehen.

von Christian Alexius


Am Ende ihrer langen Odyssee sitzen Marcus und Jorgo tatsächlich mit dem Held ihrer Kindheit an einem Tisch und schmatzen Spagetti. Eine Szene, die rührselig sein könnte, es aber nicht ist und das überrascht dann doch, da Polds Dokumentation über die Suche nach Carlo Pedersoli sich bis dahin darauf beschränkte, Kritik an seinem Star zu minimieren und Popkultur in all seinen wundersamen Wegen zu huldigen. Ein Funke aber springt über und bindet sogar über die begrenzte Spähre des eingefleischten Fanboys hinaus. Sicherlich ist das kein schweres Unternehmen, schließlich sind Freundschaft, Loyalität, Herzlichkeit und Humor Universalwerte und für jeden leicht zu adaptieren. Deswegen ist ein anderer Moment dieser Szene bedeutender: Wenn Marcus behauptet, dass Pedersoli genauso sei wie Spencer in den Filmen, verschmilzt der biologische Körper des Multitalents mit seinem medialen Bild endgültig, welches nun, nach seinem Ableben, nur noch weiteren, körperlosen Götterstatus erlangen kann. Immortal Spencer ward geboren und diese Doku ist sein Geburtshelfer.

von Lucas Curstädt