Happiness (R: SABU J 2016) ©rapideye
Happiness (R: SABU J 2016) ©rapideye

Happiness (J 2016)

Inmitten der Tristesse des japanischen Spätkapitalismus werden ein Bürgermeister und sein Buchhalter von der Erfindung eines Fremden überzeugt: Ein futuristischer Helm führt bei korrekter Justierung der Knöpfe und Rädchen seinem Träger die schönste Lebenserinnerung vor aufgerissene Augen. Eine Frau wird gar einen Robotertanz aufführen, so stark ist diese Maschine. Was Regisseur SABU als Metapher in seine Rache-Geschichte implementiert, ist die Idee vom neuronalen Enhancement. SABU zeigt, dass diese Idee nie dem Individuum zugute kommt, sondern der utopie- und hoffnungslosen Kleinstadt neuen wirtschaftlichen Schwung verleihen soll. Schon frohlockt der Buchhalter über neue Steuereinnahmen durch beglückte Jugendliche. Doch in genau der unterschwelligen, aber bedingungslosen Fixierung auf das ökonomische System, welches gar keine glücklichen Erinnerungen mehr produzieren kann, liegt das Problem. Stattdessen bestimmt diese Gesellschaft ein anderer Wunsch. Eine alte Dame sagt es zu Anfang: Wenn alle Gegenstände verkauft sind, sterbe ich. Der Glückshelm ist also immer schon nutzlos gewesen.

von Lucas Curstädt


Es ist dieses Mal nicht das übersättigte postmoderne Individuum, welches sich mit sinistren Intentionen ein technologisches Novum zueigen macht, sondern sein Erfinder selbst. Ein vermeintlich altruistischer Herr Kanzaki verleiht einer lethargischen japanischen Gemeinde, mithilfe eines obskuren Helmes neuen Lebensgeist. Basierend auf Prinzipien der Akupunktur und Stimulierung der Körperlinien beschert der Helm dem Subjekt die Wiederkehr seiner schönsten Erinnerung, die wohl durch die Schwemme depressiver Lebensentwürfe verdrängt wurden. Hinter HAPPINESS verbirgt sich Trauer, Hass und Verzweiflung alsbald diese Trias mit der positivistischen Diegese aufeinandertrifft und veranschaulicht, dass die schönsten und schrecklichsten Erinnerungen jeweils Hand in Hand gehen. Sabu erforscht Freude und Schmerz, zeigt dabei, dass die Flucht in die Vergangenheit nicht immer infrage kommen kann. Kanzaki für seinen Teil lebt mit vergifteten Erinnerungen, deren Reinigung nur durch den vermeintlich nahenden Tod provoziert werden kann. Das technologische Remedium ist dabei stiller Beobachter.

von Vasco V. Ochoa