Die Verführten (R: Sofia Coppola, USA 2017) ©universal
Die Verführten (R: Sofia Coppola, USA 2017) ©universal

Die Verführten (USA 2017)

Der Mann in dieser Bürgerkriegsgeschichte ist nicht mehr der Sinnproduzent, sondern das Fremde und das politisch Feindliche. McBurneys körperliche Schwäche resultiert aus einem Krieg des Patriarchats und seine Abhängigkeit von den sieben Frauen, die ihn pflegen und auf ihre Weise begehren, als Vater, Bruder, Ehemann, Liebhaber, degradiert ihn zum erotischen Sinnträger sensueller und visueller Schaulust. Was dieser Soldat im Schilde führt, bleibt innerhalb seiner Verführungslust ungewiss, ein homme fatal, der sogar behaupten darf, dass die Kastrationsangst nicht unbegründet ist. Coppola macht trotz stilistischer Fehleranfälligkeit vieles richtig, weil sie den Konflikt nicht scheut und ihn, konservativ der Vorlage folgend, auch zu Ende führt. Dabei sind die Nuancen besonders wichtig: Wie sie eine Szene aus Hitchcocks VERTIGO verdreht re-inszeniert, ist fabelhaft: Nicole Kidman wäscht ihren ungebetenen Gast und hat damit sichtliche Über-Ich Probleme: Doch wie – und das war bereits nach Scotties Rettung der schönen Madeleine die Frage – entkam Corporal McBurney eigentlich seiner Kleidung?

von Lucas Curstädt


Das Spiel mit den Gefühlen, situiert inmitten der Gräuel des amerikanischen Bürgerkriegs, gestaltet sich in Sofia Coppolas THE BEGUILED mit dem Eintritt des Corporal John McBurney in die behütete Sphäre des Mädchenpensionats unter der Leitung von Martha Farnsworth als äußerst frivole Angelegenheit. Wie ein Blick in den Spiegel triggert McBurney die Ex- ternalisierung unerforschter, gar vergessener Liebesformen der sieben Southern belles verschiedenen Alters und lässt somit die akribischen Lehren der Matriarchin Farnsworth in den Hintergrund rücken. Die gesteigerte Aufmerksamkeit gegenüber dem männlichen Gast transformiert das genügsame Dasein in ein zugespitzt sexualisiertes Umfeld, welches einer Manie getreu dem Leitsatz all is fair in love and war mündet. So werden Mittel und Wege gesucht ihn weiterhin im Anwesen zu behalten, mindestens ein Querverweis auf Kathy Bates in MISERY. Der zunächst ahnungslose Eros wird sich seiner Stellung im Paradies bewusst und zollt dafür den Tribut und erstickt an dem erdrückenden Gefühl der Liebe dieser Frauen.

Vasco V. Ochoa