Die letzte Versuchung Christi (R: Martin Scorsese USA/CAN 1988) ©universal
Die letzte Versuchung Christi (R: Martin Scorsese USA/CAN 1988) ©universal

Die letzte Versuchung Christi (USA/CAn 1988)


Jesus in Bildern festzuhalten – Jahrhunderte lang lässt sich diese Tradition zurückverfolgen und die vergleichsweise junge Kunst des Filmes versucht es seit hundert Jahren. Martin Scorsese zeigt in seiner (von vornherein fiktionalisierten) Adaption: Ein einzelnes Bild dieser Figur ist nicht auf der Leinwand zu fassen. So wechselt THE LAST TEMPTATION OF CHRIST zwischen den verschiedenen Jesus-Bildern hin und her, denn im Zusammenspiel aus Historie, Theologie, Psychologisierung und Mythos kann kein homogenes Gesamtkonstrukt entstehen. Christus selbst ist Gefangener in diesem Wechselspiel, so wie er zwischen seiner Realität und seinem eigenen, aus der Leinwand herausragenden Mythos hin- und hergerissen wird. Die Vorwegnahmen seines Weges im Film sind so deutlich gesetzt, als wüssten alle bereits zu Beginn, wo die Reise zwingend enden muss – als wäre dort auch schon alles geschehen. Am Ende, nachdem der letzten Versuchung widerstanden wurde, zeigt es sich noch einmal deutlich: Christus ist auch nicht auf Zelluloid-Bilder zu bannen. Der Filmstreifen zerstört sich selbst.



von Roman Paul Widera