Der Tod und das Mädchen (R: Roman Polanski, GB/USA/F 1994) ©concorde
Der Tod und das Mädchen (R: Roman Polanski, GB/USA/F 1994) ©concorde

Der Tod und das Mädchen (GB/USA/F 1994)


Im Schatten der Mieter-Trilogie thematisiert Roman Polanski in seinem Kammerspiel DER TOD UND DAS MÄDCHEN Wahrnehmung, Erinnerung und Gedächtnis im Kontext der sinnlichen Rekonstruierbarkeit von Geschichte, ja vielleicht auch den Zusammenprall von Subjekt und Repräsentant, von Ideal und Pragmatismus. Doch werden diese Motive durch die Macht der Waffe dominiert und schlussendlich durch die Macht der unheimlich, in uns allen schlummernden Veranlagung zur Morbidität erlöst. Wer der Macht des Bösen ausgesetzt ist, normalisiert sie, lässt sich korrumpieren, absorbiert sie nicht. Sie verleitet zum temporären Böse-Sein. Macht ist niemals unschuldig, urteilt dieser Film. Weder für das späte Gerechtigkeitsempfinden des Opfers, welches Macht über eine Waffe und damit über die Situation erlangt, noch für den Repräsentanten von Gerechtigkeit, dem machtvollen Anwalt. Tröstlich und doch perfide ist die letzte Einstellung, weil sie Vergebung in ihrer bittersten Prisanz schildert.



von Lucas Curstädt