David Lynch: The Art Life (R: Jon Nguyen, Rick Barnes, Olivia Neergaard-Holm, USA/DK 2016) ©nfp
David Lynch: The Art Life (R: Jon Nguyen, Rick Barnes, Olivia Neergaard-Holm, USA/DK 2016) ©nfp

David Lynch: The Art Life (USA/DK 2016)

Lynch sitzt in einem abgedunkelten Atelier und diktiert seine frühen Lebensanekdoten in ein Mikrophon. Dazu Privataufnahmen, mal er bei der Arbeit, mal Animationen. Ein aus Perspektive der Autorentheorie später Ritterschlag, folgt THE ART LIFE doch ihrem Credo: Ein Werk erschließt sich am besten über die Aussagen seines Künstlers und dessen Biographie, die sich wiederum unmittelbar in seiner Kunst widerspiegelt. Wie fest dieses Band öffentlich wahrgenommen wird, obliegt Künstler und Rezipienten, denn jeder, der einmal eine Herzog Doku gesehen hat, weiß, welche Legenden besonders dann produziert werden, wenn das Heranwachsen des Künstlers selbst medial aufgezeichnet wurde. David Lynch ist ein solches Kind der Anthropomedialität, was sich als reflexiver Gestus aber nicht sonderlich im Film niederschlägt. Stattdessen gerät der Handwerker des pathologisch Abgründigen in den Verdacht der Ich-Fabrikation, wenn es auch am Ende sein Charme und der der Dokumentation ist, dass sich dieser nicht gravierend erhärtet. Wermutstropfen bleiben Aussparungen um Frau und Kind.

von Lucas Curstädt


Als tatsächlicher und metaphorischer Erzähler zugleich, windet und (be)findet sich David Lynch gemeinsam mit seinen Bildern als Protagonist in einer dunkelbunten Montage. Ohne allzu gezielte Verweise auf das Filmemachen selbst, gelingt es dem Mystery Man mithilfe des kinemato- grafischen Dispositivs, sich einem breiten Publikum rein als Artist zu präsentieren und spricht dabei ungewöhnlich offen und detailliert von Inspiration als übernatürliche Macht des Guten und Bösen. Der angewandte Begriff „Art Life“ steht für das Erschaffen von Auren. All jenes, welches in das Leben des Artists gelassen wird, alles was er sich zueigen macht, wird auratisch geladen. Dies zeugt von der Undurchdringbarkeit von Lynchs Handwerk als prädominante Entität, die es erst in hohem Maße anziehend macht. Mit inspirativem Hintergedanken lebt er nun vor, wie Kunst im Leben jedes Individuums zugänglich gemacht werden kann. Sei es Kino, welches Lynch Weltruhm erbrachte, oder die bildende Kunst, die bisher eher Insidern vertraut war, sind sie beide reziproke Konstanten seines immensen Œuvres. !woW ,hcnyL ,woW

von Vasco V. Ochoa