Abschied von gestern (R: Alexander Kluge D 1966) ©VerlagderAutoren
Abschied von gestern (R: Alexander Kluge D 1966) ©VerlagderAutoren

Abschied von gestern (D 1966)


Die Mauern des Gefängnisses von innen, eine letzte Dreyer’sche Großaufnahme auf Anita G., die letzte Klappe fällt. Anita G. war herübergekommen auf der Suche nach Sicherheit, wo nur neue Fronten auf sie warten, weil auf Alterität nur Erziehung folgt. Hilflosigkeit ist das oder vielleicht Orientierungslosigkeit, irgendetwas dazwischen in einem Zwischen der Systeme Ost und West und ihre große Mauer. Die BRD wird so zu einem lebensleeren Raum, der die Gräueltaten der Vergangenheit zurücklässt wie seine Opfer. Über Wahrheiten kämpft nicht nur Fritz Bauer in diesem Film, sondern Kluges assoziative Bildmontage, die in ihrem rohen Material vage die Hoffnung versprüht Bewusstsein im Zuschauer zu schaffen. Fragmentarisch ist das Jetzt und Damals jener Außenseiterfigur, die auch im Sommer friert und das wird eben nicht anerkannt von dem Richter, weil das nicht gewöhnlich ist. Leise Töne des Funktionieren-Müssens und Leisten-Müssens erklingen, weil diese biedere Gesellschaft, die ihre Kinder, bald Terroristen, in ganz neue Gefängnisse stecken wird, das Anti-Paradies für den Geist bedeutet.



von Lucas Curstädt