Wind River (R: Taylor Sheridan, GB/CAN/USA 2017) ©wildbunch
Wind River (R: Taylor Sheridan, GB/CAN/USA 2017) ©wildbunch

Wind River (UK/CAN/USA 2017)


Die Umstände dieses Whodunit-Thrillers produzieren nur gescheiterte Existenzen und in dieser Hinsicht ist diese eisige Ehrlichkeit eine echte Tugend. Niemand braucht um den heißen Brei herumzureden: Egal ob Opfer, Jäger, Polizist, FBI-Agentin, Familienangehörige oder Täter, alle gehen sie als Gefangene eines amerikanischen Mikrokosmos zu Grunde. So könnte man die letzte Geste des Films, wenn Cowboy und Native American gemeinsam den Schmerz des Verlusts aushalten, als einen Akt innerer Versöhnung verstehen, der sich dem äußeren gesellschaftlichen Unwetter entgegenstellt. Doch madig macht, dass auch WIND RIVER das Märchen vom guten Hirten, der seine Herde beschützen muss, reproduziert und schlussendlich als selbsternannter Richter der texanischen Zahn um Zahn Logik folgt. Das erinnert stark an AMERICAN SNIPER, noch stärker aber fällt ins Gewicht, dass auf diese Weise patriarchalische Strukturen zementiert werden. Frau und Native bleiben der Rolle der Passivität verhaften, damit ein einziger Mann seine schmerzhafte Heldenreise bestreiten kann.



von Lucas Curstädt