Was geschah wirklich mit Baby Jane? (R: Robert Aldrich, USA 1962) ©warnerhome
Was geschah wirklich mit Baby Jane? (R: Robert Aldrich, USA 1962) ©warnerhome

Was geschah wirklich mit Baby Jane? (USA 1962)


Das ist kein Home Invasion Movie, doch um einen terrorisierenden Eindringling geht es dennoch. Die Frage bleibt nur, wer ihn reingelassen hat. Vier Jahre später wird Bergman die leise Klaviatur des schwesterlichen Kammerspiels in PERSONA spielen, jetzt haut Aldrich in die Tasten und entwickelt einen Horror, der nicht einmal durch den psychoanalytischen Subtext gebrochen wird, weil dieser schlussendlich weniger erklärt, als das er ausnüchternd wirkt. Jane, das Monster, ist natürlich Kulmination einer Anklage an das Hollywoodsystem, an Jugendwahn und Kinderstars; die finale Einstellung strotzt von bitterem Voyeurismus. Doch spannender ist, wie Aldrich sein Publikum beherrscht. Gerade noch zittert es mit Blanche, dieser armen Frau im Rollstuhl und ihren zähen Versuchen aus den Klammern der Schwester zu entkommen. Stets ist zu wenig Zeit und Jane zu übermächtig, irgendwie allgegenwärtig. Mit dem Tod der Hausfrau dreht sich das Spiel und Jane wird im hässlichen Scheitern menschlich, verliert sich, darf dann wieder das kleine Monster spielen, welches damals so vehement ein Eis haben wollte. Unschuldig, irgendwie.



von Lucas Curstädt