Victoria & Abdul (R: Stephen Frears, GB/USA 2017) ©universal
Victoria & Abdul (R: Stephen Frears, GB/USA 2017) ©universal

Victoria & Abdul (GB/USA 2017)


Entscheidend ist, welche Geschichte in einem historischen Biopic nicht erzählt wird und dennoch vorkommen muss. In Stephen Frears VICTORIA & ABDUL ist das die von Mohammed, dem kleinen und dicklichen Diener aus Indien, der im Gegensatz zu Abdul Karim keinerlei Aufmerksamkeit seitens der Königin erhält, weil er nunmal weder schön noch groß ist. Tatsächlich ist aber er der »Fisch aus dem Wasser«. Denn er ist der zufällig angeschiffte Proletarier aus Indien und Kritiker der Kronkolonie, nicht Abdul. Im Film muss er vordergründig als Sidekick und Stichwortgeber (ergo als doppelter Diener der Hauptfigur) für seichte Lacher herhalten. Im Unterbewusstsein des Films aber fungiert er als eine Art schlechtes Gewissen des Drehbuchautors, der natürlich um den affirmativen Monarchie-Kitsch und den grässlichen Personenkult weiß, die eigentliche historische Wahrheit um die Verhältnisse in Indien um 1900 also wenigstens in einer Nebenfigur kulminieren möchte. Doch natürlich hat man sich an Gesetze des strengen Geschichtsrelativismus zu halten und die befehligen: Mohammed muss sterben!



von Lucas Curstädt