The Killing Of A Sacred Deer (R: Yorgos Lanthimos, GB/USA/IR 2017) ©alamode
The Killing Of A Sacred Deer (R: Yorgos Lanthimos, GB/USA/IR 2017) ©alamode

The Killing of a Sacred Deer (UK/USA/IR 2017)


Christliche Vergebungstherapie wird dem schuldbeladenen Protagonisten Steven Murphy in dieser Geschichte ebenso wenig gegönnt wie gewissensberuhigende Wirkungen seiner halbherzigen Versuche der Entschädigung. Vielmehr beruft sich der durch Murphys Fahrlässigkeit halbverwaiste Martin auf den grausamen Gott des Alten Testaments, indem er dem Chirurgen eine persönlich verschärfte Variante des Trolley-Problems als Buße aufzwingt. Bemerkenswert dabei: Was dieses an der Grenze zwischen religiösem Mystizismus und magischem Realismus angesiedelte Psychodrama dem Publikum vor Augen führt ist (mag es auch so absurd erscheinen) die Hilflosigkeit des sich selbst überlassenen Menschen, der im Sinne Sartreʼschen Existenzialismus zur Entscheidungsfreiheit verurteilt wird. In vollem Bewusstsein eigener Verantwortung, dem Murphy nicht mehr entkommen kann (Schuld seien immer die Anästhesisten!), findet er das für ihn einzig mögliche Humane in einem beinahe ironisch inszenierten Auswahlverfahren. Was Martin dagegen anstelle unmöglicher Gerechtigkeit findet, kann man nur erraten.



von Maryna Zaporozhets