The Circle (R: James Ponsoldt, USA/ARE 2017) ©universal
The Circle (R: James Ponsoldt, USA/ARE 2017) ©universal

The Circle (USA/ARE 2017)


In THE CIRCLE verwechselt Protagonistin Mae Demokratie mit full transparency und pinnt sich kurzerhand eine Kamera an die Brust, damit jeder über sie Bescheid wissen kann. Das Ziel: Keine Geheimnisse, keine Lügen, ergo keine bösen Menschen. Das dieser anthropologische Blödsinn Skopophilie und Voyeurismus unterschlägt (aber nicht unterdrücken kann) wird zur Nebensache, da es dem Film allgemein nur schwer gelingt seine Big-Data-Utopie als dystopisch ummantelte Zukunftsvision zu verschleiern. Am Ende bleibt die Silicon-Valley Ideologie eben doch bestehen, nur der böse Tom Hanks war das Problem und so ist dieser ganze Film eine plumpe Affirmation. Doch das ist nicht der Punkt. Der ist, dass full transparency nur an einem Ort nicht stattfindet. Natürlich, die Toilette. Damit unterstreicht Ponsoldts Film klammheimlich, dass es exakt ein umverhandelbares, tabuisiertes Fundament in jeder Gesellschaft gibt, von dem besser kein Datenleck ausgehen sollte. Unser Kreis schließt sich also und damit auch die Frage nach der Qualität des Films. Im Sinne von Gilles Deleuze: Echte scheiße!



von Lucas Curstädt