San Babila, 20 Uhr: Ein sinnloses Verbrechen (R: Carlo Lizzani, IT 1976) ©cameraobscura
San Babila, 20 Uhr: Ein sinnloses Verbrechen (R: Carlo Lizzani, IT 1976) ©cameraobscura

San Babila (IT 1976)


Im italienischen Genre-Kino der 70er Jahre sind nur noch die Ruinen des sozialistisch-katholischen Schulter- schlusses des Neorealismus übrig geblieben: Carlo Lizzani erzählt die Geschichte faschistischer „Sanbabilino“, die den Mord an einem sozialistischen Pärchen mit einem Besuch in der Spielhalle feiern. Ein Kommissar im Film wird dieses Verhalten mit Dr. Jekyll vergleichen, doch ist der marschierende Faschist mehr Ausdruck und Attitüde, eher nazi-chic als Nazi. Die Polizei ist nur Randerscheinung und das sie ausgerechnet bei sexuell anrüchigen Verhalten eingreift, ist nicht mehr als ein gut gemeinter Kommentar. Gleiches gilt für die ausgestellten Klischees der Jungs: Sie sind impotent, leiden unter Ödipuskomplexen und Frauen im Allgemeinen, und das wird alles psychoanalytisch so konventionell aufbereitet, dass sich aus ideologiekritischer Sicht nur eine faxende Spielerei ergibt, deren mahnender Zeigefinger schnell abstumpft. Die zwingende Entlarvung politischer Attitüden bleibt so dem Film DIE DRITTE GENERATION überlassen.



von Lucas Curstädt