Paterson (R: Jim Jarmusch, USA/D/F 2016) ©weltkino
Paterson (R: Jim Jarmusch, USA/D/F 2016) ©weltkino

Paterson (USA/D/F 2016)


Sozialkritischer Impetus ist Jim Jarmusch in seinem neusten Werk PATERSON gänzlich fremd. Dafür liebt er seine Figuren zu sehr, als das er sie auf eine politische und pädagogische Position reduzieren würde. Weltfremd aber ist dieser große Film genauso wenig, sondern geradezu zart in seinem seismographischen Vermögen leichte Veränder- ungen in einem Alltag zu registrieren, über den leicht zu spotten wäre. Schließlich ist der Poet eben nur ein einfacher Busfahrer geworden, nur ein Flaneur der Straße. Doch gerade diese Vermählung des proletarischen Berufs mit einer stillen Seele führen zu Hochleistungen der filmischen Porträtzeichnung: Das Bierglas, welches Paterson jeden Abend vor sich stehen hat, ist weder halb leer noch halb voll. Es ist, ohne Kitsch, Lohn für den Tag und Inspiration für den Morgen. So wie eine Schachtel Streichhölzer. Diese Details münden in einen anderen Blick auf Amerika, einen, der eine junge Frau am Ende des Kinobesuchs zu Tränen rührt und nicht einmal genau wissen lässt warum. Das, so die Magie dieses Films, ist die Jarmusch-Dimension.



von Lucas Curstädt