Opfergang (R: Veit Harlan, D 1944) ©murnaustiftung
Opfergang (R: Veit Harlan, D 1944) ©murnaustiftung

Opfergang (D 1944)


Der Tod umweht Albrecht und Aels, die Liebenden dieses Kitsch-Melodrams. Er umklammert den ganzen Film in seiner idyllischen Postkartenromantik, die schönste aller Lügen des NS-Films. Er begleitet ein ganzes Volk auf seinen letzten Opfergang im Winter 1944. Dieser Film ist ein Fiebertraum, so verzweifelt leichtfüßig versucht er zu ignorieren, wie dieses Deutschland letztlich aussieht und der deswegen Hamburg noch einmal zeitlos strahlen lässt. Doch ist dies nur ein Abziehbild auratischer Vergänglichkeit. Vielleicht ist der Film deswegen so widersinnig hübsch anzusehen und so voller plakativer NS-Idiome rund um den herrlichen Schmerz. Also genau einer jener schizophrenen Filme zwischen Unterhaltung und Ideologie. Doch da ist mehr, da ist Abgesang, das Sich-aus-der-Welt-werfen, als würde der National- sozialismus ähnlich bittersüß enden wollen, wie dieser Film: Eine Orchidee, die ins Meer gespült wird. Eine schlimme Lüge, die die Beziehung zwischen Deutschland und dem Nationalsozialismus zum Melodram verkehrt.



von Lucas Curstädt