Liebe zu Besuch (Home Again, R: Hallie Meyers-Shyer, USA 2017) ©splendid
Liebe zu Besuch (Home Again, R: Hallie Meyers-Shyer, USA 2017) ©splendid

Liebe Zu Besuch (USA 2017)


Selten durfte man gestandenen Schauspielern so offensichtlich beim performativen Selbsthass zuschauen, wie in dieser harmoniesüchtigen und konsensverrückten Liebeskomödie über die Problemchen der Schönen und Reichen in Hollywood. Selbstredend hanebüchen und beabsichtigt katastrophal ist der übrige Film und das ist so weit, so naturgemäß. Auffallend aber ist, wie mit den Konflikten der Figuren umgegangen wird. Am Ende nämlich, wenn sich an der Ursache der Zwietracht praktisch nichts geändert hat – Alice und Harry treten auf der Stelle, die drei Filmemacher haben immer noch kein Budget – folgen statt Irritationen nur visuelle Beschwichtigungen, freundliche Abziehbilder lächelnder Menschen, die sich eben noch eins auf die Nase gegeben haben. Die letzte Szene rafft den gesamten Film zusammen, der fabelhaft dem zeitgenössischen Drang zur mentalen Abschottung entspricht, in der Erwachsene immer mehr zum betreuten Wohnen tendieren und globale Probleme gelöst werden, indem im Zweifel der Fernseher ausgeschaltet wird. In LIEBE ZU BESUCH ist das die plötzliche Zäsur des Abspanns. Doch diesen gibt es außerhalb des Kinos nicht.



von Lucas Curstädt