Der Schrei (Il grido, R: Michaelangelo Antonioni, IT/USA 1957) ©eureka
Der Schrei (Il grido, R: Michaelangelo Antonioni, IT/USA 1957) ©eureka

Der Schrei (It/USA 1957)


IL GRIDO bedeutet übersetzt „Der Schrei“ – und verweist damit auf Edvard Munchs Gemälde von 1893. Mittlerweile kanonisierter Teil der modernen Kunst, glich jenes Bild kurz vor der Jahrhundertwende einem malerischen Aufschrei. Auch Antonionis Film ist ein solcher Aufschrei – ein kinematographischer. Was seine folgenden, berühmteren Filme so unerhört, innovativ, irritierend und unbequem machte, was sie so unersetzlich für den Begriff der filmischen Moderne werden ließ: In IL GRIDO legt er jene Bildsprache bereits fest, wenn er seine suchenden aber ziellosen Figuren durch Landschaften laufen lässt, die keine sind: Aldo und seine Tochter wandeln über die Po-Ebene, die in Antonionis Bildern zu ebendieser wird: Einer Ebene, in deren Jenseits nichts mehr ist, nur weiße Leere. Würden die Figuren aus der Ebene heraustreten, sie würden wohl ins Nichts fallen. Das würde jedoch auch ein Ausbrechen bedeuten, vielleicht sogar eine Flucht ins Ungewisse und Neue. Aber das schaffen die Figuren bei Antonioni nie. Auch Aldo schafft es nicht. Am Ende fällt er zwar, jedoch nur um ungebremst aufzuschlagen.



von Roman Paul Widera

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