Ida (R: Pawel Pawlikowski, POLEN/DK/F/UK 2013) ©goodmovies
Ida (R: Pawel Pawlikowski, POLEN/DK/F/UK 2013) ©goodmovies

IDA (POLEN/DK/F/UK 2013)


Die Kamera verharrt immerzu an ihrem Standpunkt, sie komponiert strengste Einstellungen im 1:1,37 Format. Starr ist sie und unbeweglich. Wenn Menschen vor ihr herumlaufen, werden die Körper nicht selten abgeschnitten. Manchmal werden sie nahezu in die Ecken des Bildkaders gedrängt. Eine Kamera, die ihren festen Platz in der Welt gefunden zu haben scheint, lässt Menschen davor herumlaufen, die noch auf der Suche sind. Ida, die im Kloster aufgewachsen ist und kurz vor ihrem Gelübde steht, hat von ihren jüdischen Eltern erfahren und sucht deren Grab zusammen mit ihrer Tante, einer ausgedienten Richterin und Säuferin. Was folgt ist ein stilles Road-Movie durch das Polen der frühen 1960er, eine Suche nach der eigenen Vorgeschichte, die eigentlich keine Bedeutung für Ida hat. Nur ihre eigene Geschichte, ihren Werdegang, wird sie zaghaft anfangen in Frage zu stellen: Wenn man im Kino auf die Reise geht, dann sucht man selten etwas, geschweige denn, dass man etwas findet. Meist findet man jemand. Glücklicherweise findet Ida einen jemand. Und dann, vielleicht, findet sie auch sich.



von Roman Paul Widera