Happy End (R: Michael Haneke, F/A/D 2017) ©xverleih
Happy End (R: Michael Haneke, F/A/D 2017) ©xverleih

Happy End (F/A/D 2017)


HAPPY END ist Hanekes misslungenster Film seit WOLFZEIT und das liegt vor allem daran, dass seiner Kleinbürgertum-Farce die Haneke’sche Irritation und Erosion fehlt, also jene, die das Blut zum Kochen bringt, die Finger in die Armlehne verkrampfen lässt und Bauchschmerzen und Aufschrei provoziert. Symptomatisch für dieses Fehlen ist, dass Haneke seiner Medienkritik lediglich das Interface der Digitalität hinzufügt, mehr nicht. Ganz zu schweigen von der Sache mit der Sterbehilfe. Gleichzeitig versinkt sein Film zu schnell im gefälligen Sumpf einer schematischen Bourgeoisie-Kritik. So perlt das Ganze am Großteil des Publikums ab, welches jederzeit beruhigt feststellen kann, ganz sicher nicht zu dieser gesellschaftlichen Kaste zu gehören. Genau hier liegt die Schwäche: Bisher konnte sich der Haneke-Zuschauer nie in einem souveränen Außerhalb verstecken, sich also den Bildern auf der Leinwand entziehen, sondern musste sich, so schmerzhaft dies auch jedes mal war, als partizipierenden Teil der Grausamkeit erkennen. Dieses Happy End hat er aber noch lange nicht verdient.



von Lucas Curstädt

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