Ghost in the Shell (R: Rupert Sanders, USA 2017) ©paramount
Ghost in the Shell (R: Rupert Sanders, USA 2017) ©paramount

Ghost in the Shell (USA 2017)


Erst wenn der Abspann einsetzt, wird plötzlich gewahr, was der amerikanischen Adaption von GHOST IN THE SHELL fehlt. Dann ertönen nämlich die ikonischen Chöre des Soundtrack Originals, die diesem Grundpfeiler des japanischen Cyberpunks seine mystische Aura gaben. Das war nicht nur eine Zukunftsvision, sondern ein entrückter, seltsamer Traum des Kommenden, dessen Oszillieren zwischen Technophilie und -phobie konstituierend für eine ganze Spielart des Science-Fiction war. Dieser Interpretation mangelt es an jenen onirischen Qualitäten, an jener Ambivalenz zum cyborgism. Häufig möchte Sanders dort, wo 1995 nur Fragen gestellt wurden, jene beantworten. Doch sobald die Diskurse um Mensch/Maschine, um Seele/Körper geöffnet werden, muss man sich mit den Giganten des Cyberpunk messen. Wenn dann offensichtlich wird, dass Sanders weder dem Original, noch offensichtlich referenzierten Platzhirschen wie BLADE RUNNER etwas hinzuzufügen hat, dann bleibt diese neue Version ihrer Daseinsberechtigung schuldig. Visuell trifft Sanders vielleicht die äußere Hülle, doch den Geist des Originals verfehlt er.



von Roman Paul Widera