Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (R: Wim Wenders, D 1972) ©arthaus
Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (R: Wim Wenders, D 1972) ©arthaus

Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (D 1972)


Lange bevor Wenders die Ziellosigkeit zum planmäßigen Antrieb seiner männlichen Protagonisten auserkor, schuf er mit seinem Erstlingswerk DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER einen echten ziellosen Film. Einer von solch mysteriöser Nüchternheit, wäre nur dieser überliefert, die Wenders-Forschung wäre nie auf die Idee gekommen in ihm einen großen Romantiker zu sehen. Doch alles kam anders und so steht dieser Film als Sonderling da und das macht ihn für geneigte Kritiker zum Genuss: Kontraintuitiv ist dieser Film, ist sein Titel, denn für ein Tormann ist der Elfmeter die Kirsche auf dem Sahnetäubchen und sind seine Figuren: vom Helden der Geschichte, der weder das Torhüterspiel beherrscht, noch genau weiß, warum er seine Affäre erwürgt, bis zur Schwerhörigen, die dennoch will, dass der Ton am Fernseher an ist. Das sind alles Feinheiten, die immer wieder Haltung und Erwartung neujustierten und am Ende verpuffen. Ein Film ohne Kompass, aber mehr als eine Motivsuche späterer Werke und heimlich reifer, weil Wenders noch nicht die Nostalgie für sich entdeckt hat.



von Lucas Curstädt