Das weiße Band (R: Michael Haneke, D/A/F/IT 2009) ©xverleih
Das weiße Band (R: Michael Haneke, D/A/F/IT 2009) ©xverleih

Das weisse Band (D/A/F/IT 2009)


Dieses Dorf wirkt hermetisch abgeschlossen, umgeben von einem undurchsichtigen Wald, der immer wieder durchkämmt wird, wenn wieder ein Kind verschwunden ist. Zwar gibt es die Stadt und das Nachbardorf, aber davon wird fast immer nur gesprochen, und wenn sich Leute dorthin auf den Weg machen, dann radeln oder reiten sie immer nur in das unendliche Weiß der Kornfelder. Hier geht alles seinen Gang nach ältesten Strukturen. Es gibt den Pfarrer, den Lehrer, den Arzt, die Hebamme, den Baron und die von ihm abhängigen Bauern – alles notwendige, damit sich die Welt unter dieser Kuppel weiterdrehen kann. Jugendliche Störfaktoren werden im Keim erstickt.

Doch häufen sich Unglücke und Verbrechen, die den Dorffrieden wie dunkle Omen erschüttern: Von diesen Erschütterungen erzählt DAS WEIßE BAND. Sie sind wie ein Vorbeben, kurz bevor die Kuppel reißen und jenes Dorf mit dem Geschehen außerhalb konfrontiert wird. Als der Lehrer heiraten möchte, zwingt der Vater das verliebte Pärchen noch ein Jahr zu warten. „In einem Jahr stürzt die Welt nicht ein“. Das sagt er 1913. Ein Jahr später stürzte sie ein.



von Roman Paul Widera