Das Urteil von Nürnberg (R: Stanley Kramer, USA 1961) ©mgm
Das Urteil von Nürnberg (R: Stanley Kramer, USA 1961) ©mgm

Das Urteil von Nürnberg (USA 1961)


Wer ist besser: derjenige, der Böses tut, obwohl er es besser weiß oder jener, der aus Unwissenheit böse handelt, fragt Sokrates im hippias minor. Um diese so simple anmutende Frage wird es in Stanley Kramers Justizfilm DAS URTEIL VON NÜRNBERG gehen, ein Film von größter moralischer Integrität und universalen Gerechtigkeitssinn. Diese Größe offenbart den weitreichenden Horizont des Films, der längst den Gerichtssaal übersteigt und auf eine bittere Erkenntnis stößt, die drei Jahre später Sidney Lumet in THE PAWNBROKER weiter trübt: Wären die Nazis nur einfache Sadisten, das pure Böse, es wäre eine Naturkatastrophe gewesen. Außerhalb jeder Verantwortlichkeit. Doch das Gegenteil ist der Fall: Es war das Mitwissen aus dem Herzen der Zivilisation, die diese Katastrophe erst ermöglichte, ob durch den wilhelminischen Richter Ernst Janning oder der Rückratlosigkeit des Westens. Es gibt kein kleineres Übel. Es gibt nur das Übel. Dieser Film trägt positives Recht und Utilitarismus zu Grabe und das völlig zu Recht.



von Lucas Curstädt