Captain Fantastic (R: Matt Ross, USA 2016) ©universum
Captain Fantastic (R: Matt Ross, USA 2016) ©universum

Captain Fantastic (USA 2016)


Viggo Mortensen wird als patriarchalischer Hippie losgeschickt, die Utopie der Gesellschaftsentsagung zu frönen, nur um schonungslos von der Konvention der Heldenreise geknechtet zu werden. Statt dem Warenfetisch, dafür ist dieser Film ja viel zu konsumkritisch, bedient der Film lieber den größten Fetisch der Amerikaner: Der Familie und ihren besonderen Zusammenhalt. Der Sicherheits-Fetisch rundet ab und macht aus dem Rebell wieder den guten Sohn der Bourgeoise, der er immer war, endlich auch ohne marxistischen Bartwuchs. Dieser Film ist eine Scheinheiligkeit, weil er nur Philosophiephrasen sinn- entleert reproduziert, statt in progressiven Bildern zu denken. Alternativ hieße, einen Kontrast zur hegemonialen Filmfabrik zu wagen, statt sich lächerlich zu machen, indem man im Look biederer Werbespotästhetik einfach nur die Smartphones in der Hand der jungen Menschen mit Jagdmessern ersetzt. So ist das alles alternativ-chic, ein linkes Accessoire, ein höhnisches Lachen für alle, die schniefend im Kinosaal sitzen und diesen Systemfilm liebevoll missverstehen wollen.



von Lucas Curstädt