Alien: Covenant (R: Ridley Scott, GB, NZ, AUS, USA 2017) ©fox
Alien: Covenant (R: Ridley Scott, GB, NZ, AUS, USA 2017) ©fox

Alien: Covenant (USA, NZ, AUS, USA 2017)

Es ist naheliegend, dass der Android David, dessen menschlicher Schöpfer sich durch seine Schaffung endlich auf einer Stufe mit dem eigenen, unergründlichen Gott wähnt, nun auch nach promethischer Hybris trachtet. Dass er sich dabei so wenig von seinem paternalen Vorbild unterscheidet und Wagner-Opern liebend (Hitler!) eine neue Herrenrasse schaffen will, ist insofern enttäuschend, als das man sich erhoffte, Scott wolle innerhalb des Sci-Fi Franchise das Dasein des Menschen genealogisch ergründen. Stattdessen klebt mangelnde Vorstellungskraft und fehlende Courage an einem Konfektionsfilm, der gemessen am Oeuvre Scotts eine Unverschämtheit ist. Die zweitklassigen Effekte sind selbst für das digital verkümmerte Zuschauerauge anmaßend, ein mit sich selbst Blockflöte spielender Fassbender nicht mehr als alberner Mythologie-Kitsch und das alles wird man müde zu erwähnen, so sehr hat man sich bereits davon abstumpfen lassen, dass im amerikanischen Blockbusterkino die Donald-Duck-Prügel nur noch darin besteht, zwei Stunden Mangel an Allem zu ertragen.

Das Phänomen des Gottkomplexes wie es in ALIEN: COVENANT thematisiert wird, wäre theoretisch in der Lage den in PROMETHEUS - DUNKLE ZEICHEN begonnenen Faden auf einer neuen Bedeutungsebene weiter zu spinnen. Problematisch wird es jedoch, wenn jener Komplex sich sinnbildlich vom Haupt- protagonisten Android David löst und sich auf den Regisseur überträgt. Ridley Scott hat etwas ausgebrütet und dabei anders als sein Protegé auf der Leinwand nicht die Perfektion im Visier gehabt: Ein vor Leerstellen nur so strotzender Film, thronend auf einem Aedifizium, erbaut aus Simulakren. Dabei war es Scott, welcher mit seiner Inszenierung an Bord der finsteren und dreckigen Nostromo in ALIEN einen rauen, metallischen Klangkörper in den damaligen Korpus des Science Fiction Films implementierte. Ausgerechnet er schliesst nun selbst den Kreislauf mit einem vor Künstlichkeit und Belanglosigkeit triefendes Werk. Eine kohärente Narration weicht einem visuellen Mash-Up, gerichtet an all diejenigen, die sich durch die Abwesenheit des Aliens im vorangegangenen Film dem Franchise abgewendet haben.


von Lucas Curstädt

von Vasco V. Ochoa



Was dieser Film eigentlich sein will, ist vermutlich das größte Rätsel, welches ALIEN: COVENANT aufgibt. Identitätslos stolpert er hin und her zwischen einer Geschichte, die eine Rückkehr zu den Wurzeln der Serie vorgibt zu sein und dem immer noch währenden Nachhall des direkten Vorgängers, mit dem man sich eigentlich von ebenjenen Wurzeln entfernen wollte. Während also das Narrativ des ersten Films von 1979 in billig generierten CGI-Sets und einem geradezu erbärmlich animierten Xenomorph reproduziert wird, kommt dieses ALIEN-Prequel nicht drum herum, auch eine PROMETHEUS-Fortsetzung sein zu wollen. Gleich zwei Filme, nach denen niemand gefragt hat, in einem und eine Beleidigung des Vermächtnisses dieser Reihe. Erschüttert stellt man sich dann am Schluss die Frage, ob der Regisseur dieses Filmes das Original überhaupt gesehen hat, um dann festzustellen: Es war Ridley Scott selbst. Das ist wohl das beeindruckendste an diesem Film. Er lässt uns unmittelbar Zeuge davon werden, wie ein ehemals großer und prägender Regisseur sein eigenes Werk systematisch demontiert.

von Roman Paul Widera