In den Gängen (R: Thomas Stuber, D 2018) ©zorrofilm
In den Gängen (R: Thomas Stuber, D 2018) ©zorrofilm

In den Gängen (D 2018)

Die Liebe zur Maschine, der sorgfältige Umgang mit ihr, das erinnert im ersten Moment an den Futurismus. Natürlich aber ist IN DEN GÄNGEN kein futuristischer Film, sondern einer, der den Umgang des Arbeiters mit seiner Arbeits- maschine wertschätzt. Insofern also fügt Thomas Stuber der marxistischen Mehrwerttheorie etwas hinzu, nämlich den poetischen Wert der Arbeit, wenn der Gabelstapler leise an das Rauschen des Meers erinnert und zwei Liebende für einen Moment die Maschine nur dafür anschalten, um (sich) selbst auszuschalten. In einer Welt maschineller Monotonie und Tristesse ist damit sehr wohl ein unerreichbarer Sehnsuchtsort verbunden und gleichwohl handelt dieser Film von undurchdringlicher Einsamkeit. Zwar muss Stuber vorgeworfen werden, dass er es seinem Zuschauer nicht zutraut, das Geräusch der Meermaschine selbst zu vernehmen. Das aber ist verzeihlich. Wichtig ist, wie dieser Film seine porträtierten Menschen ernst nimmt, ihnen Gehör verschafft und dadurch für das eigentliche Rückgrat der Gesellschaft sensibilisiert: Für den Wert des Arbeiters und seine Arbeit.

von Lucas Curstädt


Gewöhnliche Arbeitsroutine, erträglich dank der üblichen, nicht weniger gewohnten Alltagsriten: Rauchen am Gitterzaun, strategische Kämpfe am Schachbrett, Flirten am Kaffeeautomat… Man könnte sagen, das sei ein einziger, sich stets wiederholender Tag für die Arbeitskräfte in den Gängen eines Großmarkts. Doch das Vergehen der Zeit wird spürbar in der sachten Verschmelzung mit der eigenen Maschine, im Entdecken jener Anmut, die jedem Gabelstapler innewohnt, auch wenn sie für ein unsensibles, desinteressiertes Auge verborgen bleibt. Genauso wie die Einsamkeit des ehemaligen Fernfahrers Bruno, der schon lange nicht mehr mit Anmachen verheirateter Kolleginnen zu rechnen hat und jeden Abend brav zu seiner imaginären Frau zurückkehrt. Denn die ganze Aufmerksamkeit gilt dem Frischling Christian, dessen Beförderung Bruno letztendlich begünstigen wird, indem er das Arbeitskollektiv für immer verlässt. Seine Poesie wird aber in den Gängen weitergetragen. Ein bisschen schade, dass die Filmemacher sie durch buchstäblich-plumpe auditive Verdeutlich- ung beinahe zunichtemachen.

von Maryna Zaporozhets