Downsizing (R: Alexander Payne USA 2017) ©paramount
Downsizing (R: Alexander Payne USA 2017) ©paramount

Downsizing (USA 2017)

Wenn das Ende der Welt endlich besiegelt ist, werden Dr. Asbjørnsen und seine Sekte unter die Erde wandern; das Fortbestehen der eigenen Spezies sichern. Gedanken der Reflexion werden den Erfinder des Downsizing dabei nicht aufhalten, lediglich Trübsal beschwert seinen Weg. Denn nicht die Wissenschaft habe versagt, sondern jene 97% der Bevölkerung, die nicht zur Minimalisierung bereit gewesen sind. Er, Asbjørnsen, habe dagegen nur Gutes tun wollen, besonders nachdem sich seine Institutsväter durch ihre wissenschaftliche Partizipation am Holocaust mit Schuld aufgeladen hatten. Genau deswegen ist nicht zu unterschätzen, dass die sterile Prozedur des Downsizing, inklusive dem Ziehen von Zähnen, in einem gaskammerartigen Raum stattfindet. Paynes positive Stimmung kaschiert dieses Bild, doch passiert hier ein bildlicher Verweis auf die wissenschaftliche Verantwortlichkeit, die trotz des eigentlich kapitalismuskritischen Pulses des Films zu fühlen ist. Die Worte Oppenheimers erhalten einen neuen Inhaber, Asbjørnsen selbst, mag er das auch nicht realisieren: »I am become Death, the destroyer of worlds«

von Lucas Curstädt


In seiner ersten Stunde ist DOWNSIZING vor allem ein Film des Zeigens (also der Idealform dieser Kunstform). Danach erzählt er zwar eine Geschichte, die auch keinem wehtut, aber auch nicht weiter interessant ist. Alexander Payne zeigt eine umfassende, in sich geschlossene Ordnung der Simulacra, eine im Verfall bestehende Gesellschaft, die ihr Heil darin findet, die eignen idealen Lebensentwürfe in verkleinerter Form zu reproduzieren. Eine perfekte Miniaturstadt voller amerikanischer Suburb-Prachtbauten zum Spottpreis. Die Puppenhäuser in unseren Spielzimmern waren schließlich schon immer schöner, als unsere tatsächlichen Heime. Der gegenwärtige amerikanische Traum ist nichts weiter, als die Vorstellung, ausreichende Jahrespässe für einen Daueraufenthalt im Disneyworld-Resort zu besitzen. Das erinnert kurz an Pinocchio. Nachdem die Kinder dort einen Tag lang in einem solchen „Leisureland“ verbrachten, haben sie sich in Esel verwandelt. Das spart sich Alexander Payne: Die Menschen in DOWNSIZING betreten das Land der Freizeit bereits als zufriedene, kleine Esel.

von Roman Paul Widera