Wir haben nur gespielt (R: Ann-Kristin Reyels, D 2018) ©kurhausproduction
Wir haben nur gespielt (R: Ann-Kristin Reyels, D 2018) ©kurhausproduction

Wir haben nur gespielt (D 2018)


Die Grenze und ihre Überschreitung ist in diesem Coming-of-Age-Drama über zwei Jungs an der deutsch-tschechischen Transitzone das entscheidende Motiv: zunächst als ethische Implikation, dann als Initiation, schlussendlich als konservative Wendung. Für den einen ist das Übertreten Akt der Neugierde und der Rebellion, für den anderen ist es eine unsichtbares Mauer. Auf der einen Seite gilt die Maxime Du sollst Kinder nicht schlagen, auf der anderen sind Kinder Kapitalgut des Straßenstrichs. Nur das Dipositiv der Grenze ordnet das Kindeswohl, nichts anderes. Der Gang Jonas durch den Wald ist einer durch Machträume, die er verändern will und damit den Tod herausfordert. Die Utopie der Mann-Werdung entlarvt dann den Jugendfilm als Konstrukt, deren Jugendliche ebenso oft mit erwachsener Zunge sprechen wie sie sich wie Jungs verhalten, wenn sich Erwachsene ausdenken, wie sich Jungs wohl verhalten. Darin sickert ein seltsamer Konservatismus durch, der den Ausflug an die schockierende frontier mit einer seltsamen Wiederherstellung der sicheren Heimat beendet und das Andere zurücklässt.



von Lucas Curstädt