Widows – Tödliche Witwen (R: Steve McQueen, USA/GB 2018) ©fox
Widows – Tödliche Witwen (R: Steve McQueen, USA/GB 2018) ©fox

Widows – Tödliche Witwen (USA/GB 2018)


Steve McQueen kann auch mittelmäßigen Mainstream-Thriller. Diese Einsicht fällt deswegen nicht sonderlich schwer ins Gewicht, weil erdrückender ist, dass sich der Trend zu einer ambiguitäts-reduzierenden Dramaturgie, die mit OCEAN’S 8 bereits zu beobachten war, zu zementieren beginnt. Die Rede ist von einer identitätspolitischen Repräsentationslogik, die mögliche Ambivalenz oder Kante (und damit Spannung der Handlung) für weibliche Figuren ausschließt: sie dürfen nicht mehr sein als sich vom Manne oder den bösen Müttern frei zu kämpfende Powerfrauen.Veronica z.B. lebt offensichtlich mit einem Kriminellen zusammen, ihre tatsächliche Involviertheit aber ist weder ein ethisches noch ein moralisches Problem, sondern nur emanzipatorische Grundlage: das ist mein Leben, auch wenn ich es verpfusche! Aus der Kritik an einer postdemokratischen Gesellschaft wird die Affirmation einer blinden Repräsentationspolitik, die nichts anderes als positiven Sexismus betreibt. Dafür muss die Verbrecherin am Ende sogar als bildungsbürgerliche Philanthropin herhalten.



von Lucas Curstädt