Utøya 22. Juli  (R: Eric Poppe, NOR 2018) ©weltkino
Utøya 22. Juli (R: Eric Poppe, NOR 2018) ©weltkino

Utoya 22. Juli (USA 2018)


Würden an Poppes filmischer Verarbeitung des Massakers vom 22. Juli keine ethischen oder moralischen Implikationen haften, so könnte man sicherlich einen formalästhetischen Diskurs über das Taktile des Kinos abhalten, darüber, wie hier ein Angriff auf den Körper des Zuschauers lanciert wird, um eine Ausnahme- und Notsituation zu kreieren, die nur der Film so spürbar werden lassen kann; wie mehr mit dem Hören als mit dem Sehen operiert wird und das hors-champ die zentrale ästhetische Rolle spielt, um das Unbekannte und damit Unheimliche auch im Off des Zuschauerbewusstseins zu manifestieren. Dann könnte der Gedanke Heideggers zur Todesangst aufgeworfen werden, der sich aus dem Bewusstsein ergibt, sterben zu müssen, aber nicht zu wissen wann. Dann könnten die Kinder, die am Strand wie eine Herde Rinder um ihr Leben rennen, als ein Bewegungsvorgang abstrahiert und als ästhetische Attraktion genossen werden. Das ist aber alles nur schwerlich möglich, weil es einen Ästhetizismus bedienen würde, der ein ganz und gar fahler ist. Denn hinter dem Rausch der Bilder lauern tatsächliche Tote.



von Lucas Curstädt