Plötzlich Familie (Instant Family, R: Sean Anders, USA 2018) ©paramount
Plötzlich Familie (Instant Family, R: Sean Anders, USA 2018) ©paramount

Plötzlich Familie (USA 2018)


Kinder werden in dieser Dramedy vor allem als Investitionen betrachtet, die sich am Ende des Tages auszahlen werden. So brauchen die dreifach investierenden Pflegeeltern Elli und Pete keine Angst zu haben, dass sie die Kinder später wieder an die biologische Mutter abgeben müssen, wodurch all ihre Bemühungen als eine reine Wohltätigkeit zu begreifen wären. Denn der Frust enttäuschter Erwartungen ist aus dem Blickfeld solcher warmherzigen wahren Geschichten genauso verbannt wie die Verlierer der Leistungsgesellschaft, denen der Aufstieg in die solide Mittelklasse nicht gelingt. Um die Klassenunterschiede traut sich der Film seine vermeintlich diversitätsfreundliche Repräsentationspolitik nicht zu erweitern: Der Anblick des Prekariats ist für die empfindlichen Augen des Zielpublikums schlicht zu hässlich. Die Elenden dürfen hier nur in einem Akt des Passings sichtbar werden, jener tristen Wohlseins-Imitation der lausigen Mutter, deren narrativ prädestinierte Rückkehr zu den Drogen für ein in der Hollywood-Logik durchaus befriedigendes Ende der Geschichte sorgt.



von Maryna Zaporozhets