Pick Up on South Street (R: Sam Fuller, USA 1953) ©criterion
Pick Up on South Street (R: Sam Fuller, USA 1953) ©criterion

Pick Up on South Street (USA 1953)


Eine Fahrt in der U-Bahn. Passanten stoßen aneinander, blicken sich argwöhnisch an, drängeln. Unter Ihnen ein Vamp, observiert von FBI-Agenten, plötzlich bestohlen von einem Taschendieb. In der Tasche ein waschechter MacGuffin, ein Mikrofilm mit chemischen Formeln, die amerikanische Kommunisten in die Sowjetunion schmuggeln wollen. Eigentlich müsste dann die Spionage-Geschichte beginnen, doch ein zweiter MacGuffin stiehlt dem ersten die Show: Der Kommunismus als das Übel der Welt wird zum spektakulären Aufhänger, dahinter lauert das große Nichts, denn niemand will nur ein Wort über ihn verlieren. Es zählt einzig die Wirkung. So lässt sich eine Polizeiinformantin lieber erschießen, als ein Jahresgehalt vom Feind anzunehmen. So vereinen sich Kriminelle und Polizisten, um Amerika zu verteidigen. Der Antagonist, ein stetig schwitzender Mann mit Hut, könnte auch dem jüdischen Finanzkapital angehören, zwar ein anderes Feindbild, aber sinnbildlich für jene absurde und überzeichnete Vorstellung des bösen Kommunisten- schweins. PICK UP ON SOUTH STREET, ein wahrer Film der McCarthy-Ära.



von Lucas Curstädt