Neomanila (R: Mikhail Red, PHI 2017) ©exground
Neomanila (R: Mikhail Red, PHI 2017) ©exground

Neomanila (Phi 2017)


Nichts bleibt am Ende dieses Großstadtdramas übrig, nicht einmal der familiäre Bund und sein Mythos, dass das Blut dicker sei als Wasser. Die Mutter, die für den leiblichen Sohn ihren Pflegesohn opfert, steht längst im dunklen Schatten ihrer Taten – so wie es für alle Figuren in Mikhail Reds Film gilt, der am Ende aber unverständlicherweise jugendliche Unschuld betont und darin Anklage formuliert. Das Geschäft mit den Drogen hängt wie ein Damoklesschwert über der Stadt, politisch betrachtet bleibt es aber eine Blackbox. Der Krieg darum, so der Tenor dieser schwarzen Geschichte, durchdringt alles und wird jedes Leben überdauern und niemand fragt noch warum. Sogar den Kapitalismus stiftet er zu neuen Raffinessen an. Raul zum Beispiel bringt nachts auch deswegen Menschen um, damit er tagsüber beim Bestattungsunternehmen genug Beschäftigung findet. Eine formidable Verwertungskette für Zyniker. Doch darin liegt auch eine Schwäche des Films, nämlich sein tiefer Fatalismus, der Spannung entweichen lässt, weil die Weichen, auf denen die Geschichte ihren Fortgang nehmen wird, schon immer gestellt sein werden.



von Lucas Curstädt