Menu Total (R: Christoph Schlingensief, D 1986) ©filmgalerie451
Menu Total (R: Christoph Schlingensief, D 1986) ©filmgalerie451

Menu Total (D 1986)


Über den Neuen Deutschen Film hat der Journalist Wolfram Schütte gesagt, Alexander Kluge wäre der Kopf, Wim Wenders die Augen, Werner Herzog der Wille und Rainer Werner Fassbinder das Herz gewesen. In MENU TOTAL zwingt der Nachfahre Schlingensief diesen Körper sich zu übergeben: Eine audiovisuelle Kakophonie, verstörend, im groben Schwarz-Weiß gedreht, und dennoch besteht da diese Verbindung zu Fassbinder und Co., weil auch Schlingensief nach Deutschlandbildern sucht, die sich mit dem Erbe des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Dazu sperrt er Elemente des SadicoNazista, des Wahnsinns, der Völlerei und der Homosexualität in ein als Irrenhaus interpretiertes Nachkriegsdeutschland ein und lässt es 80 Minuten vor sich hin gären. Der junge Helge Schneider mischt mit Hitlerbart mit, Männer schreien nervtötend nach ihrer Mama, es wird gekotzt, vergewaltigt, geschlagen, gemordet und am Ende gibt es Polonaise wie beim Schlagerfest der Volksmusik. Schlingensiefs Deutschlandbild wirkt hämisch aktuell, weil es seinen Betrachter resigniert zurücklässt. Was machen mit diesem Land?



von Lucas Curstädt