Lucky (R:John Carroll Lynch, USA 2017) ©alamode
Lucky (R:John Carroll Lynch, USA 2017) ©alamode

Lucky (USA 2017)


Es wäre falsch den Film LUCKY als einen anachronistischen zu bezeichnen, denn seine Geschichte ist nicht aus der Zeit gefallen, sondern von dieser entrückt. Dazu muss Zeit als soziale Konstruktion verstanden werden, als Chronotop, als heterogene Struktur des Bewusstseins der Vielen in einer Gesellschaft – und nicht als feste, unumstößliche Größe. Dann ist das Fehlen digitaler Technologie als vorherrschendes Zeitsymbol – das Smartphone – kein Anhaltspunkt für die Entschleunigung von der vorherrschenden Zeitordnung, also die der globalisierten Welt, sondern Hinweis für ein anderes Zeit-Denken. Dieses Denken fokussiert sich auf jenen Cowboy, der einst in die Welt geworfen und sie nun wieder verlassen muss. Lucky ist ein von Gott verlassener Nihilist, denn auf der anderen Seite des roten Telefons hebt niemand mehr ab und dennoch ist da eine stoische Freude, ganz egal, dass die Uhr bereits nach 12 Uhr anzeigt und ihm den Boden unter den Füßen wegzieht. Ins Bodenlose aber fällt er nicht, denn der Mensch landet bekanntlich nur bei der Geburt auf dem harten, weltlichen Grund.



von Lucas Curstädt