Leben BRD (R: Harun Farocki, BRD 1990) ©absolutmedien
Leben BRD (R: Harun Farocki, BRD 1990) ©absolutmedien

Leben BRD (BRD 1990)


Harun Farockis LEBEN - BRD kann als Vorläuferfilm der 20 Jahre später produzierten Arbeitsweltdokumentation WORK HARD PLAY HARD von Carmen Losmann gesehen werden. Farocki wie Losmann interessieren sich für das Verhältnis von Mensch und Arbeit im Spätkapitalismus, Farocki speziell für die Dienstleistungsgesellschaft vor der Wiedervereinigung. Trainingsmaßnahmen, Tests, Aus- und Weiterbildungen werden immer wieder in Kontrast zu Autotüren oder Waschmaschinen gesetzt, die maschinell auf ihre Funktionen getestet werden. Diese Eisenstein’sche Montage erzeugt ein zwar offensichtliches, aber dennoch nicht weniger einprägsames drittes Bild, in dem der Mensch dem Crashtest-Dummy nicht mehr nur äußerlich ähnlich ist, sondern seinen Rang einnimmt. Der funktionalisierte Anthropos mit einer Gebrauchsanweisung als Beipackzettel. Der Mensch ist, wie es Günther Anders einst schrieb, nicht mehr der Maschine gegenüber antiquiert, sondern ihr im Wesenskern gleichgemacht. Höhepunkt des Films: Chaplins Sketch auf MODERN TIMES wird noch einmal aufgeführt, nun aber von einer Striptease-Tänzerin.



von Lucas Curstädt