Leaving Las Vegas  (R: Mike Figgis, F/UK/USA 1995) ©kinowelt
Leaving Las Vegas (R: Mike Figgis, F/UK/USA 1995) ©kinowelt

Leaving Las Vegas (F/UK/USA 1995)


Von Wüste umgeben wirkt Las Vegas nachts wie ein umgekehrtes schwarzes Loch. Eingekreist von Dunkelheit, hell-leuchtend – und doch alles verschlingend. Auch der alkoholkranke Ben und die Prostituierte Sera können sich dieser Gravitation nicht entziehen und verfallen der Stadt, ihren Versprechungen und ihrem falschem Licht. Immer wieder sucht die Kamera dieses Licht und dessen Reflektionen in ihren Bildern, findet es gespiegelt in den verglasten Wolkenkratzern und den schäbigen Motel-Swimmingpools, umhüllt seine beiden beschädigten Hauptfiguren mit den nie auskühlenden Glühbirnen und Leuchtstäben. Ben und Sera leben von und in Fiktionen: Ben ist Drehbuchautor und wird erst betrunken zu einer funktionierenden Version seiner selbst, Sera schlüpft gegen Bezahlung in jede Rolle, jede Phantasie. Die künstliche Stadt komplettiert ihre Fiktion, ihr Dasein neben der Realität. Doch weil sie beide neben der Realität stehen, können sie sich gegenseitig nicht retten, keine Erlösung füreinander sein. Dass sie gemeinsam unerlöst bleiben, ist am Schluss ihr einziger Trost: Sie dürfen zusammen zerfallen.



von Roman Paul Widera