Jibril (R: Henrika Kull, D 2018) ©exground
Jibril (R: Henrika Kull, D 2018) ©exground

Jibril (D 2018)


Sicher, Dramen wie JIBRIL sind sich ihrer Komplexität bewusst, doch vielleicht sind sie sich dessen zu bewusst und darin dramaturgisch erstarrt. Denn warum enden so viele aktuelle deutsche Filme in bildkompositorischer wie narrativer Unbestimmtheit? Geschehen auch in der Geschichte um Maryam, die in einer Silvesternacht ungewiss in die Ferne ihrer Liebesbeziehung blickt. Als würde der Modernitätsanspruch nur den Mangel überdecken, die Moderne nicht durchdringen zu wollen. Dabei kann der Mangel ein produktives Element sein, wenn er denn zugelassen wird. Mögen Nuancen im realistischen Drama auch wertvoller und Körperbilder intensiver sein als Konventionen zu wiederholen, wie die Telenovela, die Maryam abends gerne schaut, während sie an ihren Freund denkt. Doch die verdrehte Zeit der Gegenwart erzeugt immer stärker das Gefühl, dass ausgerechnet in diesen lebensfremden Formaten plötzlich mehr Aussage über unser Jetzt steckt, als es die versprengten Brocken eines Narrativs tun, welches die Aufgabe des Geschichten- erzählers einfach seinem Zuschauer überlässt. Offenheit darf kein Selbstzweck sein.



von Lucas Curstädt