Jackie (R:  Pablo Larraín CL/F/USA/HK 2016) ©tobis
Jackie (R: Pablo Larraín CL/F/USA/HK 2016) ©tobis

Jackie (CL/F/USA/FK 2016)


Jackie Kennedy gibt ein seltenes Interview in ihrem Privathaus – ein Interview, das sie kontrollieren und bestimmen kann. Dazwischen sehen wir sie in einem Fernsehbeitrag zum Weißen Haus, ihr neues Heim und sich selbst der amerikanischen Bevölkerung vorstellend. Und dann sehen wir sie immerzu, wie sie die Beerdigung ihres ermordeten Ehemannes akribisch plant, mit unbedingter Genauigkeit bestimmen will, wie sich an ihn erinnert werden soll. Pablo Larrain zeigt sie dabei immer wieder (in wunderschönen 16mm Einstellungen von Stéphane Fontaine) durch das leere weiße Haus wandeln, durch dieses museale Gebäude, vollgestellt mit durch Artefakte versiegelter Historie. Und sie bemerkt, dass ihr die Zeit davonläuft, zu bestimmen, was später in den Büchern stehen wird, weil all dies schon Historie ist und doch gerade passiert. Das ist kein simples Biopic, keine Verfilmung bereits geschriebener Geschichte. Stattdessen zeigt Pablo Larrain eine Frau, die zu genau darum weiß, dass die Geschichte gerade geschrieben wird, und verzweifelt darum ringt, den Stift in ihrer Hand festzuhalten.



von Roman Paul Widera