Ingeborg Holm (R: Victor Sjöström, SWE 1913) ©SvenskFilmindustri
Ingeborg Holm (R: Victor Sjöström, SWE 1913) ©SvenskFilmindustri

Ingeborg Holm (SWE 1913)


Aktualität entsteht durch Motive, zeitlose Motive. Wie zum Beispiel das der notleidenden Mutter, die entweder ihr Kind weggibt, um diesem ein besseres Leben abseits des Armenhauses zu gewähren oder es behält, um sich selbst ein friedvolleres Leben zu erlauben. Ingeborg Holm wird Ersteres tun, daran langsam verrückt und erst Jahre später durch das Erscheinen des mittlerweile erwachsenen und stattlichen Sohns von der Seelenqual befreit werden. Die gleiche Frage muss sich auch die viel zu junge Joy Newsome im Film RAUM stellen: Das Kind ihres Entführers und Vergewaltigers aus der Gefangenschaft entlassen und diesem ein normales Leben gewähren oder dem Mutterinstinkt folgen und es ausgerechnet am feindlichsten Ort der Welt beschützen. Joy wird sich für das Zweite entscheiden, gemeinsam mit dem Kind fliehen und dann an ihrem Sohn die horrenden Folgen dieser platonischen Höhle erfahren. Über 100 Jahre liegen zwischen diesen beiden Filmen, geeint werden sie durch ein Motiv: Die starke Frauenfigur. Das ist das Wunderbare am Kino, es fungiert in vielerlei Hinsicht als Zeitmaschine.



von Lucas Curstädt