I, Tonya (R: Craig Gillespie, USA 2017) ©dcm
I, Tonya (R: Craig Gillespie, USA 2017) ©dcm

I, Tonya (USA 2017)


Die Krise der Fiktion wird in I, TONYA sichtbar: Zum einen sackt das ironische Spiel mit dem Wahrheitsgehalt der Geschichte in sich zusammen, ist doch diese Art vorgeschobene Ausrede und Abgrenzung zu all den Based-on-a-true-Story-Kamellen nicht mehr als ein Schattenboxkampf. Der aufs Korn genommene, also die Beweiskraft des Bildes, hängt im Zeitalter der Mediatisierung längst in den Seilen und wehrt sich nicht. Zum anderen kollabiert die filmische Fiktionalisierung unter dem Druck der bereits etablierten Medienfiktion und gibt sich dann kleinlaut geschlagen: Wenn das Reale erst zur Dichtung werden muss, um gedacht werden zu können, kann dieser Film keinen eigenen Gedanken fassen, schließlich ist sein Reales bereits Dichtung der Yellow Press. Deswegen schießt sich der Film auch mit den traditionellen Verweisen auf die realen Personen am Ende der Handlung ins Bein und legt offen: Jeder Gag der hier gemacht wird, jede Szene, die gezeigt wird, ist keine Arbeit mit dem Stoff oder deren Karikatur, sondern immer nur mimetisches Ebenbild eines bereits medial verdauten Witzes.



von Lucas Curstädt