Feinde - Hostiles  (Hostiles, R: Scott Cooper, USA 2017) ©universum
Feinde - Hostiles (Hostiles, R: Scott Cooper, USA 2017) ©universum

Feinde - Hostiles (USA 2017)


In der vom Superhelden-Eskapismus und der pseudorealistischen Mythenbildung dominierten Filmlandschaft ist Scott Coopers Ausflug ins Western-Territorium an der Grenze zwischen dem Hobbesschen Naturzustand des Menschen und dem aufgehenden Staat eine rare Zuwendung zu den alten humanistischen Fragen. Wo der Tod zur alltäglichen Konfrontation geworden ist und die Gleichheit aller — ob schwarz-, rot- oder weißhäutig, ob Kind, Mann oder Frau — gewährleistet, sind alle Differenzen nach der überlebenswichtigen Aufteilung in Freunde und Feinde zweitrangig, die stets aufs Neue durchgeführt werden muss, sodass die bittersten Gegner eines Tages zu den engsten Verbündeten werden. Wie soll ich handeln, zu wem soll ich jetzt stehen, damit ich mich angesichts des endlosen und unmenschlichen Schreckens noch als Mensch fühlen kann? Die Frage gilt es von den Filmfiguren zu beantworten, wenigstens zu versuchen, genauso wie eine weitere: Wie kann man bellum omnium contra omnes entgegentreten? Vielleicht auch indem man probiert, die Bruchstücke zerstörter Familien zu einer neuen Familie zu versammeln.



von Maryna Zaporozhets