Funeral Parade Of Roses (R: Toshio Matsumoto, J 1969) ©rapideye
Funeral Parade Of Roses (R: Toshio Matsumoto, J 1969) ©rapideye

Funeral Parade of Roses (J 1969)


Das Beben der Nouvelle Vague klingt in Matsumotos Transvestiten-Geschichte so stark nach, dass diese den Eindruck erweckt, am liebsten selbst neues Epizentrum der Modernisierungsbewegung des Kinos werden zu wollen. Doch eine erdrückende Überfülle an importierten Einflüssen, die eben nicht nur Godard ehren, sondern Referenzen von Jonas Mekas bis zum cinéma vérité spinnen, machen einen Strich durch die Rechnung. So viele Schichten, so viele Meta-Ebenen und dann noch die mythologische Referenz zur Ödipus-Geschichte – und das Kartenhaus, was noch kein postmodernes ist, fällt unter der Last seiner formalen Spielerei in sich zusammen. Sicher, Godard sagt, dass alles in einem Film untergebracht werden muss, doch meint das eben nicht nur die Adaption. Das für seinen individuellen Reiz notwendig Autarke an einem Kunstwerk kann als rein referentielle Collage nur kollabieren. Genau das tut dieses anstrengende Werk, dessen Zeitgeist erhalten bleibt, aber aus gegenwärtiger Perspektive nur noch als ästhetischer gutgeheißen und ansonsten als gescheiterter Wille zur Modernität begriffen werden muss.



von Lucas Curstädt