Don’t Worry - Weglaufen geht nicht (Don't Worry, He Won't Get Far on Foot, R: Gus Van Sant, USA 2018) ©nfp
Don’t Worry - Weglaufen geht nicht (Don't Worry, He Won't Get Far on Foot, R: Gus Van Sant, USA 2018) ©nfp

Don't worry - Weglaufen geht nicht (USA 2018)


Ob Gus Van Sant auch so philanthropisch hätte argumentieren können, wenn sein Cast weniger  sympathisch und überzeugend gewesen wäre? Jedenfalls darf Joaquin Phoenix alias John seine Versöhnungstour mit herzzerreißenden Dankesblicken an seine Lieben und Wichtigen beenden – natürlich auf einer Bühne, die ihn der Erfolg als Karikaturist eingebracht hat – und damit auch die Frage beantworten, ob ein mutterloser, alkoholsüchtiger Rolli eigentlich noch glücklich werden kann in seinem Leben. Sein Saufkumpane Dexter (Jack Black), ein mit Mutter und zwei funktionierenden Beinen ausgestatteter Alkoholsüchtiger, wird es nach dem gemeinsamen Unfall übrigens nicht – und das kann doch nur daran liegen, dass er den spirituellen Weg zu seinem persönlichen Gott nicht gefunden hat – oder etwa weil ihn kein Rollstuhl gesegnet hat? Diese Interpretation legt jedenfalls van Sants gottesfürchtiges Drama nahe, so seltsam unreflektiert religiös, dass es den Spott ertragen muss und so altbacken ratgeberisch, dass es nur den Viktimisierungssüchtigen unter uns gefallen kann.



von Lucas Curstädt