Der seidene Faden (Phantom Thread, R: Paul Thomas Anderson, USA 2017) ©universal
Der seidene Faden (Phantom Thread, R: Paul Thomas Anderson, USA 2017) ©universal

Der seidene Faden (USA 2017)


Kulminationspunkt dieses eleganten Films ist das Omelett, als hätten zwei Stunden Kino darauf hingearbeitet. Alma, erst Kellnerin, dann Mannequin, schlussendlich Köchin, bereitet ihrem Ehemann das Abendessen zu. Der lächelnde Blick, den sie ihrem Gatten schenkt, ist der einer Mutter, die ihrem Schützling sagt, dass alles in der Welt gut werde. Doch nichts Gutes steckt in ihrem Blick, was aber nur der Zuschauer spürt und folglich eine bedrohliche Spannung, die die Definition dieser Beziehung kristallisiert: Sohn-Sein und Mutter-Sein, abhängig sein und abhängig machen. Für Deleuze das Grauen, schließlich nur ein psychologisches Plateau und keine 1000. Dieses eine erinnert derweil an Hitchcock, genauer an SABOTAGE. Auch hier ein Ehepaar am Esstisch. Der Mann hat den Sohn auf dem Gewissen und will sterben, sich aber nicht umbringen, die Frau will den Sohn rächen, aber den Geliebten nicht morden. Sie werden sich in der Mitte treffen, die Schuld teilen. Die Szene in PHANTOM THREAD verfährt ähnlich, wieder eine grausame Übereinkunft zwischen Eheleuten und wie 1936 Zeugnis großer Liebe.



von Lucas Curstädt