Der heilige Berg (R: Arnold Fanck, D 1926) ©murnaustiftung
Der heilige Berg (R: Arnold Fanck, D 1926) ©murnaustiftung

Der heilige Berg (D 1926)


Ein Berg, zwei Männer und eine Frau: mehr braucht dieser Stummfilm nicht. Dieser archaischen Grundsituation geht zunächst eine bildgewordene Symphonie der Naturgewalten voraus, auf der einen Seite das tosende Meer, das in Zeitlupe den Felsvorsprung beinahe zärtlich liebkost und umspielt; auf der anderen Leni Riefenstahl, die die Brandung so elegant orchestriert, wie später nur noch die Nazi-Chargen in Nürnberg. Diese Analogie spitzt sich in jenem Moment zu, in dem das Meer sich mit gleicher Gewalt über die Welt ergießt, wie die deutsche Wehrmacht dann über Europa. Diese präfaschistischen Potenziale beschränken sich nicht auf Ästhetik und Montage, sondern finden Perfektion im Motiv und Thema der Freundschaft zweier Bergsteiger, die natürlich eine grenzenlose Kameradschaft verbindet. Da wird der Held eins mit der Natur und eins mit seinem Freund und der Preis dafür ist das schönste Opfer, das ein Mann bringen kann: das Selbstopfer. Diese undurchdringliche Treue zu Berg, Land und Nebenmann nimmt jene vorweg, die Millionen Deutsche zwei Dekaden später in den sicheren Tod führen wird.



von Lucas Curstädt