Der andere Liebaber (L’Amant Double, R: François Ozon, F 2017) ©weltkino
Der andere Liebaber (L’Amant Double, R: François Ozon, F 2017) ©weltkino

Der andere Liebhaber (F 2017)


Vor beinahe 60 Jahren besuchte die von Bauchschmerzen geplagte Cléo in Agnes Vardas Film CLÉO DE 5 À 7 eine Wahrsagerin, um sich ein dunkles Schicksal voraussagen zu lassen; in Ozons Thriller L’ AMANT DOUBLE ist es nun ein Psychotherapeut, den Chloé aufgrund der gleichen Beschwerden aufsucht. Ozon verlegt dabei die Suche nach einer Antwort vom existenzialistischen Außen in Vardas Film in das körperliche Innere seiner Figur und zeigt damit, dass sein zu Beginn platzierter Match-Cut aus Vagina und tränendem Auge keiner ästhetizistischen Borniertheit entspringt, sondern Sinn, Sexualität und Leiblichkeit als Filmbild zusammen denken will. Ozon begreift den Körper seiner Hauptfigur (wie den des Zuschauers) als zu attackierende Angriffsfläche, was seinen Psychothriller aus genau diesem Genre herausreißt und ihn in das Körperkino einpflanzt. Ozon interessiert sich für die Psyche der Frau eben nur aus der Perspektive ihres Körpers und lässt sich so in einem aufregenden zeitgenössischen französischen Kino einer Julia Ducournau (und ihrem Film RAW) verorten.



von Lucas Curstädt